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Chinas Einfluss auf Games

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Chinas Einfluss auf Games

Chinas Einfluss auf Games

dw · 2026-09-29 07:20:00 · Importance: 65 · Content Chinas Einfluss auf Games 29. September 2026 Ein düsterer Unterschlupf unter der Erde. Nur ein paar Öllampen spenden Licht. Mein Kamerad macht sich an einem Gewehr zu schaffen. Vor grob in den Stein gehauen Wänden hängt eine rote Flagge mit Hammer und Sichel auf weißem Stern, das Symbol der Roten Arbeiter- und Bauernarmee Chinas. Auf Holzkisten liegen verschiedene Waffen, ich suche mir eine aus. Dann stürme ich in den verschneiten Wald und schieße auf alles, was sich bewegt. Was aussieht wie ein neues "Call of Duty", eine bekannte Shooter-Reihe, die Spielende auf vergangene, zeitgenössische oder zukünftige Kriegsschauplätze versetzt, heißt "The Defiant". Entwickelt wird das Spiel derzeit vom chinesischen Studio Hoothanes in Hangzhou. Es erzählt vom Widerstandskampf chinesischer Truppen gegen die japanische Armee in den 1930er- und 1940er-Jahren. Die Waffen im Spiel seien besonders, betont Entwickler Connor Xu gegenüber der DW. Diese seien nur in Asien benutzt worden und daher vielen westlichen Spielerinnen und Spielern unbekannt. Gleiches gelte für die Geschichte, die bislang in noch keinem Spiel erzählt worden sei, so Xu. "The Defiant" zielt auch auf ein internationales Publikum ab. China ist innerhalb weniger Jahre zu einem bedeutenden Player der globalen Games-Branche aufgestiegen - trotz strenger Regulierung, trotz Zensur, trotz eines einstigen Verbots von Spielekonsolen. Gaming gehört in China zum Alltag Aktuell spielen mehr als 700 Millionen Chinesinnen und Chinesen regelmäßig digitale Spiele. Dem Marktforschungsunternehmen Newzoo zufolge empfinden die meisten von ihnen Gaming als wichtigen Teil ihres Lebens. Viele halten über Spiele Kontakt zu Freunden. "Spiele machen das Leben interessanter", meint Entwickler Xu. "Ich kann verschiedene Rollen, Geschichten und Charaktere ausprobieren. Wir haben zwar nur ein Leben, aber wir können eine Rolle in einer anderen Geschichte spielen. Ich glaube, das ist für chinesische Nutzende wirklich verlockend." In China spielen die Menschen vor allem an PCs und Smartphones, Konsolen sind kaum verbreitet. Das hat historische Gründe. Denn während sich Spielende in Europa und Nordamerika Anfang der 2000er darüber stritten, ob die Playstation oder die Xbox die bessere Konsole sei, kamen die Geräte zwischen 2000 und 2014 in China gar nicht offiziell in den Handel. Die chinesischen Behörden gaben an, Kinder und Jugendliche vor der Spielsucht schützen zu wollen. Spielzeitbegrenzung und umfassende Kontrolle Aktuell dürfen Minderjährige in China maximal drei Stunden pro Woche Onlinespiele spielen. Für Erwachsene gibt es keine Beschränkungen, aber eine strenge Kontrolle. Denn wer spielen will, muss sich mit seinem echten Namen und einer persönlichen Identifikationsnummer registrieren. So kann der Staat im Grunde jederzeit nachvollziehen, wer wann was spielt und mit wem er oder sie kommuniziert. Daneben existiert eine Grauzone, die die chinesische Regierung zu dulden scheint. Einige Spieler loggen sich über VPN ein und können so auf Spiele zugreifen, die nicht im chinesischen Handel erscheinen. Einige jüngere Spieler nutzen Accounts ihrer Eltern, um die Spielzeitbegrenzung zu umgehen. So streng China gegenüber minderjährigen Gamern agiert, so offen zeigt sich die Volksrepublik für digitale Spiele im Allgemeinen, da sie das große wirtschaftliche Potential von Games erkannt hat. Zunächst kamen Spiele für chinesische Spielerinnen und Spieler auf den Markt, die wie Kopien westlicher Games wirkten. Gleichzeitig investierten chinesische Tech-Konzerne wie Tencent und NetEase in zahlreiche westliche Gaming-Unternehmen. Ohne Lizenz kein Verkauf in China Eine Besonderheit ist das chinesische Lizenzierungssystem. "Im Gegensatz zu vielen anderen großen Videospielmärkten weltweit verfügt China über einen streng regulierten und lizenzierten offiziellen Videospielmarkt", erklärt George E. Osborne im DW-Interview. Der Journalist berät NGOs und Regierungen zu Videospielen und trat beim Gamescom Congress auf. In seinem Buch "Power Play" beschreibt er, wie autoritäre Staaten Videospiele für ihre politischen Ziele nutzen. In China gilt für alle Spiele: ohne Lizenz kein Verkauf. "Dieses System zwingt Entwickler, die ihre Videospiele veröffentlichen wollen, im Grunde dazu, mehrere Genehmigungsstufen des chinesischen Propagandaministeriums und des Kulturministeriums zu durchlaufen", so Osborne. Strenge Kriterien für Videospiele Verboten sind in Spielen unter anderem Inhalte, die die Einheit, Souveränität oder territoriale Integrität Chinas gefährden. Ebenfalls untersagt sind pornografische Inhalte und Glücksspiel. Darüber hinaus dürfen Spiele nicht zu Straftaten anstiften, die die nationale Sicherheit gefährden oder Informationen verbreiten, die nach Auffassung der Behörden, die öffentliche Ordnung stören könnten. "Der springende Punkt bei diesen Kriterien ist jedoch, dass sie bewusst recht vage gehalten sind", sagt Osborne. Verstöße sind Auslegungssache. Manchmal würden Spiele erst nach der Veröffentlichung verändert. Im Action-Rollenspiel "Wuchang: Fallen Feathers" (2025) beispielsweise konnten Gegner, die auf berühmten chinesischen Persönlichkeiten der Ming-Dynastie basierten, plötzlich nicht mehr getötet werden, sondern fielen vor Erschöpfung in Ohnmacht. Chinesische Kultur wird zum Exportschlager Das chinesische Action-Rollenspiel "Black Myth: Wukong" verbuchte 2024 einen interantionalen Überraschungserfolg. Spätestens da wurde deutlich: Chinesische Entwicklerstudios können nicht nur den heimischen Markt bedienen, sondern auch erfolgreiche Spiele für den Weltmarkt schaffen. Inspiration für das Spiel lieferte der chinesische Romanklassiker "Die Reise nach Westen" aus dem 16. Jahrhundert. Aus Osbornes Sicht spricht nichts dagegen, chinesische Kultur in die Welt zu tragen. Die Frage sei nur, inwieweit der Staat tatsächlich in die Spiele eingreife. "Im Allgemeinen stehen Videospieler solchen Dingen ziemlich skeptisch gegenüber. Sie haben ein sehr gutes Gespür dafür, wann jemand versucht, ihnen etwas zu verkaufen, oder wann jemand Propaganda betreibt. Wenn es zu offensichtlich ist, wird es nicht funktionieren", meint er. Problem: Wenn Entwickler sich selbst zensieren Aufgrund des Lizenzierungssystems müssen sich auch westliche Entwicklerinnen und Entwickler an die staatlichen Vorgaben halten, wenn sie ihre Spiele in China verkaufen wollen. Und das wollen sie, denn der Markt sei zu groß, um ihn zu ignorieren, so Osborne. "Aber wenn man über die möglichen Auswirkungen auf kreative Standards weltweit nachdenkt, halte ich es für sehr wichtig, dass sich Entwickler die Frage stellen: Wo sind wir bereit, Kompromisse einzugehen, und wo nicht?" Er befürchtet, dass die eigentliche Gefahr in der Selbstzensur liege. Das könnte zum Beispiel dazu führen, dass Entwickelnde auf queere Charaktere in ihren Games verzichten. Das wäre ein großer Rückschritt, da Spiele vielen Menschen helfen, sich mit ihrer eigenen Identität auseinanderzusetzen. Dass Spiele angepasst werden, ist übrigens keine chinesische Eigenheit. In Deutschland beispielweise ist es nicht erlaubt verfassungsfeindliche Symbole wie das Hakenkreuz in Spielen zu zeigen, außer es handelt sich explizit um Spiele, die zur Erinnerungskultur beitragen. Auch extreme Gewaltdarstellungen müssen aus deutschen Versionen herausgeschnitten werden. Erinnerungskultur aus chinesischer Sicht Gewaltverherrlichung ist auch in China verboten, dennoch darf das Team um Xu ein Kriegsspiel entwickeln. Wie passt das zusammen? Xu erklärt es so: "In diesem Spiel geht es nicht in erster Linie um Gewalt, um Blut. Das Wichtigste ist, Geschichte zu erzählen." Das Team lege großen Wert auf historische Authentizität, sagt Xu. Ob sie dem gerecht werden, werden Historiker beurteilen müssen. · Summary China ist mit über 700 Millionen Spielenden der größte Gamingmarkt der Welt, aber streng reguliert. Minderjährige dürfen nur drei Stunden pro Woche online spielen, alle Nutzer müssen sich mit echtem Namen registrieren. Spiele benötigen eine Lizenz, Inhalte wie Gewalt, Glücksspiel oder Gefährdung der nationalen Einheit sind verboten und die Kriterien sind vage. Chinesische Studios wie Hoothanes oder Game Science entwickeln zunehmend Spiele für den Weltmarkt, etwa "Black Myth: Wukong" oder "The Defiant". Experte George E. Osborne warnt vor Selbstzensur westlicher Entwickler, die den chinesischen

China ist mit mehr als 700 Millionen Spielerinnen und Spielern der größte Gamingmarkt der Welt. Doch kaum ein Markt ist so streng reguliert. Die Folgen reichen weit über China hinaus und betreffen Gamer weltweit.